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Das Pareto-Prinzip

Erstellt nach Anregungen und Beiträgen von Baba, Balu, Dietrich, Joka, Simula

Das Paretoprinzip besagt, dass 1/5 des Aufwandes für 4/5 der Gesamtleistung verantwortlich sind. Kann man diese Einsicht strategisch nutzen? Und welche Folgen hat das für die Qualität?

Vilfredo Pareto, italienischer Ökonom und Soziologe, erkennt Ende des 19. Jahrhunderts, dass in seinem Land 80 Prozent des Volksvermögens auf 20 Prozent der Haushalte entfällt, während sich die verbleibenden 80 Prozent der Haushalte mit nur 20 Prozent des Volksvermögens begnügen müssen.

Das ungerechte Gesetz

Darauf untersucht Pareto die Einkommensverteilung anderer Länder und findet jenes ominöse 80:20-Verhältnis bestätigt: Der Reichtum der Nationen befindet sich demnach in den Händen einer Minderheit. Pareto spricht jedoch nicht von ungerechter Verteilung, sondern vermutet dahinter ein Naturgesetz. Demzufolge ist es ganz und gar unmöglich, das Volksvermögen mit politischen Mitteln gerecht aufzuteilen. Die einzige Möglichkeit, das Einkommen der Armen zu erhöhen, besteht laut Paretos darin, den Kuchen insgesamt zu vergrößern, also die Produktion, das Bruttoinlandsprodukt zu erhöhen. Diese Theorie ist bis heute von vielen Politikern anerkannt. Kuriosität am Rande: der Faschistenführer Mussolini nannte sich "einen Schüler Paretos". Was jedoch den Wert des sogenannten "Pareto-Prinzips" nicht schmälert. Doch welchen Wert hat es?

Mit Paretos Daumen gepeilt

Das Pareto-Prinzip ist kein Zahlenverhältnis, nach dem sich die Natur in jedem Fall exakt richtet. Dennoch zeigt sich überraschend oft, dass die Gesamtleistung eines Systems von nur wenigen seiner Elemente erbracht wird, während der Rest der Leistung vom Rest der Elemente resultiert. Zwar spricht man von Paretos 80:20-Regel, aber er selbst beschreibt sein Prinzip recht locker: "Innerhalb einer gegeben Gruppe oder Menge weisen einige wenige Teile einen weitaus größeren Wert auf, als dies ihrem relativen, größenmäßigen Anteil an der Gesamtmenge in dieser Gruppe entspricht." So ist es kein Widerspruch wenn Robert Townsends in seinem Busch "Hoch lebe die Organisation" schreibt: "20 Prozent einer Gruppe von Verkäufern generieren 90 Prozent des Umsatzes". Wobei auch hier der Umkehrschluss gilt, dass die restlichen 80 Prozent der Verkäufer nur die verbleibenden 10 Prozent des Umsatzes erbringen.

Die Wenigsten sind am stärksten

Die meisten Beobachtungen entsprechen jedoch recht genau dem Pareto-Prinzip: 20 Prozent der Fischer fangen 80 Prozent der Fische. 20 Prozent der Werbefirmen sorgen für 80 Prozent der Kundenreaktion. 20 Prozent der Kunden schaffen 80 Prozent des Umsatzes. 20 Prozent der Waren bringen 80 Prozent des Umsatzes. 20 Prozent der Bücher bedeuten für einen Verlag 80 Prozent des Gewinns. 20 Prozent der Mitarbeiter sind für 80 Prozent der Fehltage verantwortlich. In 20 Prozent Besprechungszeit werden 80 Prozent der Beschlüsse gefasst. Und so weiter ...

Pareto und der Pfeil der Zeit

Offensichtlich verläuft unser Leben recht häufig nach dem Pareto-Prinzip. Aber wie kann man das Pareto-Prinzip strategisch nutzen, also im Vorhinein erkennen, was im Nachhinein so klar erscheint? Welche 20 Prozent möglicher Handlungen garantieren mir 80 Prozent der Gesamtlösung?

Wenn ich jene kleinen Ursachen erzeugen will, die den Großteil der Wirkung hervorbringen, dann muss ich doch fragen: unterscheiden sich jene "fruchtbaren" Ursachen von den anderen, die kaum etwas bewirken? Denn ich muss sie ja erkennen, um sie überhaupt nutzen zu können.

Aber wie soll das möglich sein? Schließlich hängt das, was aus einer Ursache werden kann, auch - und vor allem - von den Umständen ab. Die gleiche Aussage kann erheitern, aber unter andern Umständen schockieren. Die kleinen Ursachen also, die zu großen Wirkungen führen, kann man nicht an sich erkennen; man kann bestenfalls einschätzen, wie sie sich unter den gegebenen Umständen entwickeln.

Datenbergbau

Und doch gibt es eine einfache Methode, das Paretoprinzip strategisch zu nutzen: die "Datenanalyse", auch "Data-Mining" genannt. Dabei sucht man in Datenbeständen nach Pareto-Verhältnissen, die sich in der Vergangenheit wiederholt haben und darum künftig mit ausreichender Wahrscheinlichkeit eintreffen werden.

Beispielsweise sucht man jenes Fünftel Kunden, das bisher 4/5 des Umsatzes generiert hat. Die Strategie ist klar: solche Kunden um jeden Preis halten! Aber bleiben die Kunden wirklich die gleichen? Und wie komme ich zu neuen Topkunden, wenn ich mich immer nur auf die bewährten konzentriere?! Vorübergehend sind solche Strategien erfolgreich, aber auf lange Sicht ist die Zementierung des Bewährten reaktionär, dogmatisch, ungelenk und geeignet, bei der geringsten Marktbewegung aus der Bahn geschleudert zu werden.

Eisenhowers Prinzip

Der amerikanische General und Präsident Eisenhower hat eine Arbeitsweise erfunden, die an Paretos Prinzip erinnert. Demnach entscheiden nicht die eigenen Vorlieben oder der Druck anderer, ob man eine Arbeit vorzieht, sondern einzig die Frage, wie wichtig eine Arbeit ist. Und "wichtig" - im Sinne Paretos - sind jene Eingriffe, von denen der Erfolg im hohen Maße abhängt.

Eisenhower hat jede Aufgabe in eine gedankliche Tabelle eingetragen, wobei über den Spalten steht "wichtig" und "weniger wichtig"; und vor den Zeilen "eilig" und "weniger eilig". In den Feldern finden sich nun die Entscheidungen: 1. Aufgaben, die wichtig und eilig sind, werden sofort erledigt. 2. Aufgaben, die wichtig, aber nicht eilig sind, werden verschoben (Kalender). 3. Aufgaben, die unwichtig, aber eilig sind, werden delegiert. 4. Aufgaben, die weder wichtig noch eilig sind, landen im Papierkorb.

Damit ist leider nicht gesagt, wie man das "Wichtige" vom "Unwichtigen" unterscheidet. Hier ist jeder auf seine Erfahrung und seinen Instinkt angewiesen. Dennoch ist Eisenhowers Prinzip recht brauchbar, wenn es darum geht, mit wenig Aufwand möglichst viel zu leisten.

Qualität und Quantität

In der Massenproduktion geht es darum, möglichst schnell, möglichst viel zu erzeugen. Das erinnert an das Pareto-Prinzip, wonach man in einem Fünftel der Zeit vier Fünftel der Aufgabe lösen kann. Also ist die Aufgabe nicht ganz gelöst: 1/5 fehlt ja noch. Hier geht doch Quantität vor Qualität. Mehr Zeit kostet mehr Geld, und darum ist Qualität teuer. Aber man kann nicht behaupten, dass Maschinen und Fertigungsstraßen die Qualität grundsätzlich herabsetzen. Eine elektrische Ständerbohrmaschine bohrt ein schöneres Loch in kürzerer Zeit als eine Handbohrmaschine mit Kurbelantrieb.

Doch wie gesagt: das Paretoprinzip kann sich negativ auf die Qualität auswirken. Ein Unternehmen betreut Kunden besser, wenn sie zu jenen ominösen 20 Prozent gehören, die in der Vergangenheit 80 Prozent des Umsatzes erbracht haben. Damit sinkt das Kundenservice insgesamt. Neukunden kann man so kaum gewinnen. Wer kennt das nicht: man ruft eine bevorzugte Firma an, erwartet "seinen" Kundenbetreuer, und findet sich wieder in der Warteschleife eines externen Callcenters. "CRM" nennt man das.
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